Ernährung bei der Parkinson-Krankheit


Essen und Trinken sind elementare Grundbedürfnisse des Menschen. Funktion und Leistung sowie Wohlbefinden und Lebensfreude sind daran gebunden.

Das Fundament dafür ist eine gesunde Ernährung, die betont ballaststoffreich ist. Planen Sie deshalb zu Ihren täglichen Mahlzeiten reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Kartoffeln ein.

Zu jeder Hauptmahlzeit passt eine Eiweißportion. Eine gute und bedarfsdeckende Eiweißquelle sind eine kleine Portion Fleisch, Wurst oder Fisch in leichter Zubereitung pro Tag. Gleiches gilt für Milch oder Milchprodukte. Von den 3 Portionen am Tag unterstützt und schützt eine Portion als Sauermilchprodukt wie Naturjoghurt oder Buttermilch die Darmflora in ihrer Funktion.

Pflanzliche Öle wie z.B. Rapsöl, Walnussöl, Olivenöl oder Leinöl zur Zubereitung Ihrer Speisen sichern die Zufuhr lebensnotwendiger Fettsäuren und Vitamine.

Magen und Darm arbeiten krankheits- und medikamentenbedingt verlangsamt. Eine leichte und schonende Zubereitung, reichlich frische Kräuter, mehrere kleine Portionen und ein ruhiges, entspanntes Essen vermeiden Beschwerden nach dem Essen und Belastungen der Verdauung.

Kauen Sie gut und trinken Sie ausreichend Flüssigkeit. Nahrung und Medikamente müssen im Magen gut vermischt, aufgelöst und „darmgängig“ aufbereitet werden, ähnlich einem Waschmaschinenprinzip. Ist das Essen schlecht gekaut, die Portion zu groß und zu fett oder fehlt es an Flüssigkeit, kann es zu Magen-Darm-Beschwerden kommen.
Müdigkeit, Einschränkungen der Mobilität, Magendruck, Völlegefühl oder Verstopfungen durch viel zu lange Verweil- und Transportzeiten im Magen und Darm belasten Verdauung und Mensch. Zudem verschieben, verändern oder verlieren sich auch Wirkungen der Medikamente, da auch diese verzögert das Blut erreichen.

Für die Einnahme von Levodopa-Medikamenten spielt das eine ganz wichtige Rolle. Achten Sie darauf, L-Dopa-Präparate 30 min. vor oder 60 – 90 min. nach einer Mahlzeit einzunehmen, um eine mögliche Wirkfluktuation zu vermeiden. Im Falle einer Wechselwirkung zwischen Nahrungseiweiß und L-Dopa, vor allem im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf, hilft es, den Hauptteil der eiweißhaltigen Lebensmittel zum Abend einzuplanen. Verzichten Sie aber auf keinen Fall auf Eiweiß, da dieser Nährstoff lebenswichtig und funktionserhaltend ist. Verursacht die Tabletteneinnahme Übelkeit, so kann diese auch mit einem kleinen eiweißfreien/armen Imbiss (Apfelmus, Toast, Brot, Zwieback, Salzgebäck, Götterspeise o. ä.) zusammen eingenommen werden.

Eine der häufigsten Veränderung und Komplikation in allen Phasen der Erkrankungen ist die Schluckstörung. Diese kann still, ohne sichtbare oder spürbare Anzeichen und zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Im Falle einer Schluckstörung kann die Veränderung der Nahrungskonsistenz oder das Andicken von Getränken notwendig sein, um schwere Komplikationen zu vermeiden. Hier sollten unbedingt die logopädischen Empfehlungen eingehalten werden.

Bemerken Sie eine ungewollte Gewichtsabnahme, ist die Zufuhr an Nahrungsenergie unzureichend. Sie können das gewohnte Essen anreichern oder zusätzliche Nahrungsergänzungen einsetzen. Dazu benötigt es vorab die Absprache mit Ihrem Arzt und einer Diätassistentin.

Ein trockener Mund kann durch die Erkrankung und Medikamente verursacht werden und erschwert das Essen und Schlucken. Trinken Sie schluckweise über den Tag geeignete Getränke wie stilles Wasser mit etwas Zitrone, helle Teesorten. Das Ausstreichen des Mundinnenraumes mit etwas Öl (z. B. Zitronenöl) kann zwischendurch Linderung geben, wie auch das Ausspülen des Mundes nach dem Essen mit z. B. Ananassaft bzw. das Lutschen von Eiswürfeln aus Ananassaft, auch verdünnt, hilfreich sein können. Zuckerreiche Getränke, Süßwaren oder Kaugummis mit Menthol oder Pfefferminze sind dagegen ungeeignet. Geeignete Kaugummis, die den Speichelfluss anregen, gibt es in der Apotheke.

Haben Sie zu viel Speichel, trainieren Sie das gezielte Abschlucken des Speichels. Kamillen-, Pfefferminz- und Salbeitee wirken dabei wie auch Menthol- oder Pfefferminzbonbons unterstützend.
Liegt eine Schluckstörung vor bzw. besteht eine erhöhte Gefahr des Verschluckens besprechen Sie diese Maßnahmen vorab mit Ihrem behandelnden Logopäden/Arzt.

In Kürze zusammengefasst:

  • Essen Sie regelmäßig über den Tag verteilt kleinere Portionen.
  • Kauen Sie gut, essen Sie in Ruhe und trinken Sie ausreichend mindestens  1,5 Liter/Tag.
  • Bereiten Sie Ihre Speisen leicht und schonend zu.
  • Die Temperatur Ihrer Speisen und Getränke sollte zimmer- oder mundtemperiert sein.
  • Würzen Sie mild und verwenden Sie reichlich frische Kräuter.
  • Essen Sie Gemüse und Obst reichlich zu jeder Mahlzeit, auch zu den Zwischenmahlzeiten.
  • Essen Sie Vollkornprodukte, Haferflocken und Kartoffeln zu jeder Hauptmahlzeit.
  • Essen Sie je eine Portion Eiweiß wie Milch und Milchprodukte (eine davon als Sauermilchprodukt) und eine kleine Portion Fleisch, Wurst oder Fisch am Tag in leichter Zubereitung zu den Hauptmahlzeiten.  
  • Verwenden Sie pflanzliche Öle für die Zubereitung und Anreicherung Ihrer Speisen.
  • Beachten Sie die pünktliche und zeitlich abgestimmte Einnahme von Levodopa-Medikamenten vor den Mahlzeiten.
  • Nehmen Sie Medikamente nur mit Wasser ein, ggf. mit Apfelmus oder Götterspeise, wenn das Schlucken erschwert ist.
  • Planen Sie viel Bewegung an der frischen Luft ein.
  • Kontrollieren Sie einmal im Monat Ihr Gewicht.
  • Beachten Sie die Hinweise der Logopäden.
     

Jeannette Obereisenbuchner
DA/Med.EB/Diabetesberaterin DDG