Trugbilder und Verwirrtheitszustände


Trugbilder und Verwirrtheitszustände bei Parkinson (medikamenteninduzierte Psychose)

Alle Parkinson-Medikamente greifen in den Gehirnstoffwechsel ein. Normalerweise bewirken diese Medikamente eine Verbesserung der Beweglichkeit, ohne dass andere Hirnfunktionen wesentlich beeinflusst werden. In manchen Fällen kann es aber zu Nebenwirkungen kommen, die als medikamenteninduzierte Psychose bezeichnet werden.


Was wird zu den psychotischen Nebenwirkungen gezählt?

  • Alpträume
  • Halluzinationen (Trugwahrnehmungen)
  • Wahnvorstellungen (z. B. Verfolgungsängste, Eifersuchtswahn)
  • Verwirrtheitszustände

Erstes Warnzeichen für eine drohende medikamentöse Psychose sind zunehmende Alpträume. Halluzinationen beginnen oft als harmlose Sinnestäuschungen, bei denen der Patient Tiere, Menschen oder Gegenstände sieht, von denen er weiß, dass sie nicht vorhanden sind. Bei Auftreten derartiger Trugwahrnehmungen sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, da es bei einer Zunahme der Symptome zu bedrohlichen, als wirklich erlebten Halluzinationen, Verfolgungswahn oder Verwirrtheitszuständen kommen kann.

Wann ist die Gefahr für medikamentös induzierte Psychosen besonders hoch?

  • bei verminderter Flüssigkeitszufuhr
  • bei Entzündungen (z. B. Grippe oder Harnwegsinfekt)
  • bei sehr alten Patienten
  • bei Patienten mit Hirnleistungsstörungen oder Demenz

Da der Patient manchmal nicht in der Lage ist, ausreichende Angaben zu machen, sind Informationen, z. B. über vermindertes Trinken, Fieber, Hautausschläge etc. durch Angehörige und Pflegende für den Arzt von besonderer Bedeutung.

Welche typischen Situationen begünstigen das Auftreten einer Psychose?

  • Außergewöhnliche seelische Belastungen
  • Plötzliche Veränderungen der Lebensbedingungen (z. B. Krankenhausaufenthalt, Heimunterbringung, Verlust von Bezugspersonen)
  • Steigerung oder Umstellung der Parkinson-Medikamente
  • Versehentliche Überdosierung der Medikamente
  • Begleitende Behandlung mit anderen Medikamenten, die eine Psychose auslösen können (Arzt fragen!)

Was müssen Patienten und Angehörige bei einer medikamentös induzierten Psychose beachten?

  • Kontakt mit dem behandelnden Neurologen aufnehmen.
  • Mögliche Auslöser (z. B. Flüssigkeitsmangel) beseitigen.
  • Überprüfen, ob die Medikamente nach Vorschrift eingenommen wurden.
  • Bei fehlender Einsicht ist es nicht sinnvoll, zu versuchen, dem Betroffenen seine Halluzinationen oder Wahnvorstellungen "auszureden“. Wichtig ist es, Ängste durch ruhiges und vertrauensvolles Verhalten zu vermindern.

Was kann der Arzt tun?

  • Behandlung von Auslösern (z. B. Infektionen)
  • Umstellung der Parkinson-Medikamente:
    Meist müssen Medikamente mit besonders hohem Nebenwirkungsrisiko reduziert oder abgesetzt werden. Bei manchen Medikamenten (z. B. Anticholinergika, Budipin, Amantadin) muss das Absetzen langsam erfolgen, während andere (Selegilin, Dopaminagonisten, COMT-Hemmer) schlagartig abgesetzt werden können. Im Hinblick auf die Psychose ist L-Dopa (z. B. Isicom) das verträglichste Mittel.
  • Neuroleptika:
    Als Neuroleptika wird eine Gruppe von Medikamenten bezeichnet, die gegen Psychosen eingesetzt werden können. Leider wirken sich die meisten Neuroleptika negativ auf die Beweglichkeit bei Parkinson aus. Eine Ausnahme stellen folgende Medikamente dar:
    • Clozapin (z. B. Leponex ®, Elcrit ®):
      Dieses Medikament ist sehr wirksam und verschlechtert nicht die Beweglichkeit. Gelegentlich wird der Tremor (Zittern) durch Clozapin sogar vermindert. Zu beachten ist, dass in den ersten 18 Wochen der Behandlung mit Clozapin wöchentliche Blutbildkontrollen (danach monatlich) durchgeführt werden müssen. Wird dies unterlassen, kann es zu lebensgefährlichen Verminderungen der weißen Blutkörperchen kommen.
    • Quetiapin (Seroquel ®):
      Quetiapin wirkt gut gegen Psychosen. Verschlechterungen der Beweglichkeit sind nach bisherigen Erfahrungen selten.